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creaDIG

Barrierefreiheit

Wir haben unsere eigene Seite geprüft. Acht Mängel.

Bevor wir Barrierefreiheit anbieten, haben wir creadig.de nach dem eigenen 12-Punkte-Raster geprüft. Acht Mängel, sieben davon erheblich. Was wir gefunden haben, wie wir es behoben haben — und der Messfehler, der uns fast als Ergebnis durchgegangen wäre.

Veröffentlicht:

Wer Barrierefreiheit verkauft und sie selbst nicht liefert, verliert das Gespräch im ersten Satz. Also haben wir am 23. August 2026 unsere eigene Seite geprüft — nach demselben Raster, das wir bei Kunden anlegen, und mit demselben Ergebnisbericht. Dieser Text ist die Kurzfassung. Der vollständige Befund liegt offen im Quelltext dieser Seite.

Was geprüft wurde

Siebzehn Routen in beiden Sprachen, in heller und dunkler Fassung, auf 1440 × 900 und 390 × 844 Pixeln: 68 automatisierte Durchläufe mit axe-core über WCAG 2.1 A und AA. Dazu von Hand, was eine Maschine nicht entscheiden kann — der ganze Weg mit der Tastatur, die zugänglichen Namen aller Bedienelemente, die Überschriften- und Landmark-Struktur, das Verhalten des Termin-Assistenten beim Schrittwechsel.

Ergebnis: acht Befunde, sieben davon erheblich, keiner blockierend. Jede Funktion war erreichbar — an sieben Stellen aber deutlich erschwert. Drei davon stehen hier, weil sie das Muster zeigen.

1 · Der Fokus war unsichtbar

Drei Bedienelemente in der Kopfleiste — Sprachumschalter, Erscheinungsbild, WhatsApp — zeigten beim Durchtabben keinen sichtbaren Umriss. Gemessen: outline-style „none“, kein Schatten, nichts. Sie stehen auf jeder Seite. Die Ursache war keine vergessene Regel, sondern eine, die verlor: Die globale Vorgabe für den Fokus stand in einer Kaskadenschicht und wurde von einer Utility-Klasse überschrieben, die den Umriss abschaltet und durch einen Ring ersetzt, den diese Farbpalette nicht zeichnet. Behoben, indem die Fokus-Regel jetzt außerhalb jeder Schicht steht. Nachgemessen: 2 beziehungsweise 3 Pixel durchgezogen, alle drei sichtbar. (WCAG 2.4.7)

2 · Acht Stationen bis zum Inhalt

Es gab keine Sprungmarke. Wer nur mit der Tastatur arbeitet, landete zuerst auf dem Logo, danach auf vier Menüpunkten, dem Sprachumschalter, dem Erscheinungsbild-Schalter, WhatsApp und dem Hauptknopf — acht Stationen, auf jeder Seite erneut, bevor der Inhalt anfing. Das ist kein Schönheitsfehler; es ist der Unterschied zwischen einer Seite, die man benutzt, und einer, die man verlässt. Jetzt ist die Sprungmarke die erste Station, sie ist sichtbar, sobald sie den Fokus hat, und sie setzt ihn auf den Inhalt. (WCAG 2.4.1)

3 · „Weiter“ drücken und Stille hören

Im Termin-Assistenten tauschte ein Klick auf „Weiter“ den Inhalt aus, scrollte nach oben — und setzte den Fokus nicht. Gemessen landete er auf dem Dokumentkörper. Für einen Tastaturnutzer heißt das: wieder ganz vorn anfangen. Für einen Screenreader-Nutzer heißt es: gar nichts. Es gab auf der ganzen Seite keine einzige Region, die eine Änderung angesagt hätte. Man drückte „Weiter“ und hörte Stille. Jetzt wandert der Fokus auf die Überschrift des neuen Schritts, und eine höflich vorlesende Region sagt an, welcher Schritt von wie vielen begonnen hat. (WCAG 4.1.3, 2.4.3)

Die übrigen fünf

  • Die goldene Textfarbe unterschritt auf getönten Flächen an fünf Stellen den geforderten Kontrast — Werte zwischen 4,26 und 4,34 zu 1, nötig sind 4,5.
  • Textfarben mit 70 und 80 Prozent Deckkraft: bis herunter auf 2,85 zu 1 in der hellen Fassung, sieben Stellen im Code.
  • Platzhalter in Formularfeldern mit 60 Prozent Deckkraft: 2,40 zu 1. Von der Maschine nicht gemeldet, weil ein Platzhalter nur im leeren Feld sichtbar ist — von Hand gefunden.
  • Die 31 Kalendertage im Termin-Assistenten hießen für einen Screenreader nur „31, Schaltfläche“ — ohne Wochentag, ohne Monat, ohne den Zustand „gewählt“.
  • Auf der türkischen Terminseite waren zwei Beschriftungen deutsch geblieben, hart im Markup statt aus dem Wörterbuch. Ein türkischer Screenreader liest „Nächster Monat“ mit türkischer Aussprache — das Ergebnis versteht niemand.

Der schwerste Fehler war älter

Er stammt aus einem Durchgang davor und gehört trotzdem hierher: Wer im Betriebssystem „Bewegung reduzieren“ eingeschaltet hatte, sah Teile der Seite gar nicht. Die eingeblendeten Abschnitte blieben unsichtbar — auf der Leistungsübersicht 33 Blöcke. Die Seite war leer für genau die Gruppe, für die diese Einstellung gemacht ist. Ein Befund, der die eigene Vorgeschichte verschweigt, ist weniger wert als einer, der sie nennt.

Und ein Messfehler

Nach der Behebung meldete die Maschine noch zwei Kontrastwerte — beide auf Seiten, deren deutsche Zwillingsseite bei identischem Markup bestand. Die Ursache lag nicht in der Seite, sondern in der Messung: Der Prüflauf traf die eingeblendeten Abschnitte mitten in der 0,9 Sekunden langen Animation und maß eine halb durchsichtige Fläche — einen Zustand, den ein Mensch nie zu Gesicht bekommt. Der Lauf misst jetzt mit reduzierter Bewegung, also den Endzustand. Es wäre bequem gewesen, die beiden Werte als Ausreißer abzuhaken. Ein Befund, der Messfehler als Ergebnis ausgibt, ist genauso falsch wie einer, der Funde verschweigt.

Was das heißt — und was nicht

Alle acht Mängel sind behoben, im Code, ohne Overlay und ohne Zusatzwerkzeug. Der automatisierte Lauf meldet über 68 Durchläufe keine maschinell feststellbare Verletzung von WCAG 2.1 AA mehr; vorher waren es elf Stellen. Die Handprüfung ist ohne offenen Punkt.

„Keine maschinell feststellbare Verletzung“ heißt nicht „barrierefrei“. Automatische Werkzeuge finden nach Angabe ihrer eigenen Entwickler etwa ein Drittel der Barrieren. Wir haben keinen Durchlauf mit einem blinden Nutzer gemacht, keine Vergrößerungssoftware und keine Sprachsteuerung geprüft. Und dieser Text ist keine rechtliche Bewertung — die trifft ein Anwalt, nicht wir.

Das ist der Grund, warum wir keinen automatischen Scanner auf diese Website stellen, obwohl er das beste Lockmittel wäre: Eine Ampel, die eine Maschine über eine fremde Seite hängt, verspricht dasselbe wie ein Overlay — ein Ergebnis, für das niemand geradesteht. Wer eine Ampel verkauft, kann nicht erklären, warum die Ampel des Nachbarn nichts taugt.

Nächster Schritt

Sie führen den Betrieb. Wir bauen das System dahinter.

Zwanzig Minuten, kostenlos und unverbindlich. Wir sehen uns den Betrieb an und sagen ehrlich, ob wir helfen können.